Reisebericht - Klaus-Hausmann

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Tour 2016, die Ostroute
Alta-Nordkap-Athen-Venedig-Heidelberg

Norwegen | Finnland | Russland | Baltikum | Polen | Slowakei | Ungarn | Serbien | Rumänien | Bulgarien | Griechenland | Italien | Österreich | Deutschland
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Von Hamburg aus geht es mit Skandinavien Airlines über Oslo nach Alta. In Oslo muss ich mein Gepäck inklusive Fahrrad neu einchecken. Ich bin einigermaßen erleichtert als alles vollständig und unbeschadet in Alta ankommt.
Die ersten Etappenziele in Norwegen sind Hammerfest, Nordkap und Kirkenes. Von Kirkenes geht es entlang der Radroute EV-13 durch Finnland.

An der Ostsee mache ich einen Abstecher nach Sankt Petersburg und überschreite danach bei Narva die Grenze zu Estland. In Tartu (Estland) tausche ich per Post einige Wintersachen gegen leichtere Sommerausrüstung. Es folgen Lettland, Litauen und Polen. Hier fahre ich auf der Route des EV-11 und dem Europaradweg Nr.1. In Polen mache ich jeweils einen Stopp in Warschau und in Krakau. Anschließend geht es durch die Slowakei und Ungarn bis nach Szeged.

Über den Grenzübergang bei Szeged erreiche ich Serbien. Entlang der Donau geht es ein Stück durch Rumänien und anschließend wieder Serbien. Ich folge nun wieder dem EV-13 der bei Dimitrovgrad nach Bulgarien wechselt.
Meinen Plan, nach Istanbul zu fahren, habe ich wegen der angespannten Lage in der Türkei geändert. Mein Ziel ist nun Athen.

Vom Skiort Bansko in Bulgarien fahre ich Richtung Thessaloniki und von dort weiter durch Zentralgriechenland bis nach Athen.

 
Hier entscheide ich nun nicht, wie geplant, zurück zu fliegen, sondern mit der Fähre nach Venedig zu fahren und von dort aus auf der Route Via Claudia Augusta mit dem Rad die Alpen zu überqueren und bis Heidelberg zu radeln.
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Norwegen

Es ist 23 Uhr und die Sonne steht tief am Horizont. Der Campingplatz in Alta sieht verlassen aus. Ich fahre einige km weiter und zelte direkt am Strand.
Auf dem Weg nach Norden treffe ich Toralf. Er ist vor fast zwei Monaten in Leipzig gestartet und hat wie ich, das Nordkap als Ziel. Wir zelten an einem Fluss, am nächsten Tag trennen sich unsere Wege schon wieder. Ich mache einen Abstecher nach Hammerfest, Toralf fährt direkt Richtung Nordkap.
In Hammerfest gibt es einen kleinen aber teuren (160NOK) Campingplatz, auf dem ich der einzige mit Zelt bin. Es ist kalt in der Nacht, am nächsten Tag regnet es auch noch.
am Strand bei Alta
Hammerfest die "nördlichste Stadt der Welt" sagt man
Camp am Fluß mit Toralf aus Leipzig
Von Hammerfest fahre ich in 4 Etappen bis zur Nordkap-Insel Magerøya. Die Überfahrt zur Insel erfolgt durch einen 7 km langen Tunnel, der 200m unter dem Meeresspiegel verläuft. Die erste größere Herausforderung auf meiner Tour. Die Steigung beträgt jeweils 9%.
Bergab geht es ziemlich flott. Dann ein kurzes Stück eben, hier unten dröhnen die Lüftungsmotoren ohrenbetäubend. Ich lasse es mir aber nicht nehmen das Stativ aufzubauen und ein Foto zum machen. 3 von 7 km sind geschafft. Die Straße wird immer steiler und bald lassen meine Kräfte nach. Die letzten 2 km muss ich schieben und immer wieder stehen bleiben um zu verschnaufen. Als ich den Ausgang erreiche bin ich doch sehr erleichtert. Es kommt ein Rastplatz mit einem windgeschützten Unterstand, ich frühstücke erst mal.

der Nordkap-Tunel 212m unter Null.
In und außerhalb von Honningsvag auf der Nordkap-Insel gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten. Ich miete eine Hütte auf einem Campingplatz. Am nächsten Tag geht es mit leichtem Gepäck zum Nordkap wo meine Radtour offiziell beginnt.
Das Höhenprofil zwischen Nordkap und Honningsvag bringt einige Höhenmeter. Die Durchschnittstemperatur beträgt an diesem Tag kühle 3°C, es ist neblig und es regnet immer wieder leicht.

der Weg über die Nordkap-Insel
Ankunft am Nordkap

Der Zugang zum "Nordkap" kostet 255NOK (25€ pro Person). Vor mir steht ein PKW mit 4 älteren Leuten. Sie diskutieren minutenlang mit dem Kassierer und drehen letztendlich um. Um hier her zu kommen fährt man eine 130km lange Stichstraße, da kehrt man doch nicht 100m vor dem Ziel um.
Und der Clou ist, als ich ans Kassenhäuschen komme sagt mir der junge Mann darin, dass es für mich kostenlos ist, da ich mit dem Fahrrad gekommen bin. Ich freue mich natürlich und fahre durch.
Von Honningsvag aus nehme ich das Hurtigruten Postschiff nach Kjöllefjord. Ich erspare mir dadurch die Fahrt um den Porsanger-Fjorden. Mein nächstes Ziel ist Kirkenes, nahe der Grenze zu Russland. Dort beginnt der Iron Curtain Trail dem ich durch Finnland folgen werde. Für die 300km bis Kirkenes brauche ich 6 Tage. Niedrige Temperaturen nicht weit über Null, eisiger Wind und 3500hm sind zu bewältigen. Hin und wieder scheint die Sonne durch die dichten Wolken und lässt die beeindruckende Landschaft leuchten.
auf den Fjells liegen noch Schneereste
und es bläst ein eisiger Wind
der Fischerort Torhop
Kirkenes bietet nicht viel Sehenswertes, eine große Fabrik mitten in der Stadt, bunte Holzhäuser und die Behringsee.

In Neiden, 40km vor Kirkenes, gibt es eins der wenigen Cafe's in dieser abgelegenen Gegend. Hier befindet sich auch der Abzweig nach Finnland über die Landstraße 893.
Kirkenes
das Café in Neiden
entlang der Landstraße 98
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Finnland

Ab jetzt wird es lang und flach. Berge sehe ich erst in der Slowakei wieder. Dafür gibt es in Finnland unendlich viel Wald, Seen und Insekten.
mein erster Campingplatz in Finnland bei Sevettijärvi
kurz hinter der Grenze Richtung Süden
Sauna gehört zu Finnland wie die Mücken. Unterkunft mit Sauna wird auch sehr häufig angeboten. Allerdings muss man dafür oft tief in die Tasche greifen. 15€ pro Stunde ist üblich. Auf dem Campingplatz bei Sevettjärvi ist es mit 5€ sehr preiswert.
Rentiere auf der Straße und herrliche Seen gibt es täglich entlang der Radroute.
Ich fahre auf dem Iron Curtain Trail. Die Grenze zu Russland ist meist nur wenige km entfernt
Gedenkstätten und Museen erinnern und dokumentieren den Winterkrieg 1939/40 zwischen Finnland und Russland.
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Russland

Ich nutze den Grenzübergang Imatra um nach Russland einzureisen. Die Einreise verläuft problemlos und plötzlich bin ich in Russland. Ein etwas seltsames Gefühl überkommt mich.
Ich habe drei Tage Dauerregen bis ich Sankt Petersburg erreiche. In der ersten Nacht übernachte ich in einem Hostel in Vyborg. Mein erster Eindruck von Russland ist schlechter als gedacht. Viele Häuser, so wie auch die Straße an vielen Stellen, sind in einem schlechten Zustand. Das schlechte Wetter lässt alles nur noch schlimmer erscheinen. Die Straße verläuft relativ eben, es herrscht sehr starker Verkehr.
Am zweiten Tag übernachte ich auf einer Straußenfarm zwischen Luzhki und Ozerki. Ich hatte das Zimmer per Internet gebucht, hatte aber Probleme die Straußenfarm zu finden. Auch als ich davor stand, war ich mir nicht sicher ob ich richtig war. Erst als die Eigentümerin kam und mich begrüßte, wusste ich, dass dies mein gebuchtes Hotel ist. Innen entpuppte sich dieses Haus jedoch als äußerst ordentlich und gemütlich.
meine Route durch Russland
Gasthaus auf einer Straußenfarm
ein gemütliches Restaurant gehört zu dem Gasthaus
das Ortsschild bereits 70 km vor dem Zentrum von Sankt Petersburg
Am nächsten Tag habe ich unerwartet früh das Ortsschild von Sankt Petersburg erreicht. Dass es von hier aus nochmal 70km bis ins Stadtzentrum sind war mir anfangs nicht klar.

Zunächst geht es 30km auf einem Radwegentlang der Ostseeküste. Der Weg führt meist parallel zur Landstraße,

Ins Zentrum muss ich dann neben starkem Autoverkehr  auf der Straße oder auf dem Gehweg fahren.
Ich verbringe nun drei Tage in dieser faszinierenden Stadt mit Siteseeing und bin begeistert von den vielen Fotomotiven am Tag und bei Dunkelheit.
der Radweg entlang der Ostseeküste
Mein nächstes Ziel ist Estland und der Grenzübergang bei Narva. Ich schaffe die Strecke in zwei Etappen. Da ich unterwegs keine Unterkunft finde, zelte ich auf einem Acker hinter Büschen neben der Straße. Die Ausreise ist wieder problemlos und der Kulturunterschied gravierend.
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Baltikum

Ich bin einigermaßen überrascht als ich Narva Richtung Talinn verlasse und auf gut ausgebauten und beschilderten Radwegen fahren kann. Das gab es weder in Russland noch in Finnland.

Ich folge in Estland zunächst dem Europaradweg R1 bis nach Tartu. Dieser Fernradweg biegt hinter Tartu nach Westen ab, Richtung Riga. Ich bleibe im Osten und fahre parallel zur russischen Grenze durch Lettland und Litauen.

Die Landschaft ist manchmal etwas hügelig, längere Bergetappen gibt es keine. Meist finde ich einen preiswerten Campingplatz zum Zelten. In Lettland kann ich sogar einmal kostenlos auf einem Reiterhof zelten. Die Menschen sind überall sehr freundlich, dicht besiedelt ist die Gegend allerdings nicht. Trotzdem komme ich immer wieder durch kleine Dörfer in denen oft auch ein Lebensmittelladen zu finden ist.

Etwas abenteuerlich war meine gewählte Route über die Grenze von Lettland nach Litauen. Weil ich die direkte und kürzeste Verbindung wähle, gelange ich auf abgelegene, sandige Wald- und Feldwege. Ich komme dabei der russischen Grenze bedenklich nahe und fahre oft durch die "Borderzone". Nach einer Odyssee auf diesen Schleichwegen erreiche ich Litauen. Ab Litauen ist der EuroVelo #11 ausgeschildert dem ich zunächst  bis nach Polen folge.
Radrouten sind in Estland gut beschildert
Störche gehören ab Estland zum Landschaftsbild
ein Highlight ist der riesige Peipus See
sehenswert, aber sehr überlaufen - die Altstadt von Tallinn
Auf Höfen und in den kleinen Dörfern sind es meist Holzhäuser, teilweise bunt gestrichen, in denen die Menschen leben. Fast immer steht ein Brunnen im Garten, der auch teilweise noch in Betrieb ist.
Einheimische erzählen mir, dass das Borderland nur mit Sondergenehmigung betreten werden darf.
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weiter ... nach Polen
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