Reisebericht-3 - Klaus-Hausmann

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Bulgarien

Das Balkangebirge, mein Angstgegner, stellt sich nicht nur als wunderschön sondern auch als relativ harmlos heraus. Der Grenzübergang hinter Dimitrovgrad ist klein und die Beamten sehr freundlich und entspannt.
Auf der serbischen Seite ist überhaupt nichts los. Der Beamte wünscht mir gute Fahrt. An der bulgarischen Grenzstation unterhalte ich mich mit dem Grenzer. Er fragt wohin ich will und ich antworte: Athen. Mit dem Fahrrad fragt er. Ich erzähle ihm, dass ich in Norwegen gestartet bin. Er staunt und meint das sind doch mindestens 3500km bis hier. Ich korrigiere ihn und sage 6000km bis jetzt und weitere 1000 bis Athen. Er wünscht mir weiterhin gute Fahrt.
Es geht weiter auf der gut ausgebauten Landstraße bis nach Dragoman, der Verkehr ist aber deutlich geringer. Seit Pirot geht es stetig bergauf. Dragoman liegt bereits auf 700m. Hier hole ich Geld vom Geldautomat. Der Ort sieht sehr vernachlässigt aus. Die Frau, die mir den Weg zum ATM zeigt meint ich kann mein Rad hier stehen lassen, kein Problem sie passt auf.
Gleich hinter der Grenze steht dieses Schild mit den km Angaben nach Istanbul und nach Athen. Istanbul wäre kürzer, aber nun habe ich mich für Athen entschieden.
Es ist erst Mittag 1 Uhr und ich beschließe weiter bis nach Tran zu fahren, sind ja nur knapp 40km. Ich treffe einen Ziegenhirten, dann geht es erstmal bergab, bevor die Straße langsam aber stetig auf 960m ansteigt.
Die Straße wird immer schmaler, Autos fahren hier so gut wie keine. Es geht durch mehrere Dörfer, die ziemlich vernachlässigt aussehen. Viele leere verfallene Häuser, aber auch die bewohnten sehen nicht immer bewohnbar aus. Es ist wieder sehr heiß, als die Straße steiler wird muss ich schieben.
Anfangs geht es durch offene Agrarlandschaft mit Sonnenblumenfeldern, später ist die Straße beidseitig dicht bewachsen, was mir oft Schatten spendet.


Nachdem der höchste Punkt erreicht ist geht es steil bergab. Die Aussicht ist teilweise grandios.
Ich erreiche wieder eine Landstraße, bis nach Tran geht es dann wellig weiter.
Unterwegs und auch in Tran sehe ich ein Hinweisschild auf eine Sehenswürdigkeit. Die "Erma River Schlucht"


Das SPA Hotel in Tran, in dem ich vorab ein Zimmer gebucht hatte, ist preiswert(24€) und den tollen SPA Bereich habe ich für mich allein. Grund genug einen Pausentag einzulegen.

Am nächsten Tag mache ich eine mehrstündige Wanderung durch die Erma Schlucht.



der Fluss führt jetzt im Sommer nicht viel Wasser
der Wanderweg führt über mittelalterliche Brücken
Gut erholt und gestärkt geht es am nächsten Tag mit dem Rad weiter. Der Herbst kündigt sich bereits an.
eine liebliche Landschaft am Rande des Balkangebirges
Es ist nebelig als ich um 7:30h starte und es hat nur 12°. Mütze und Jacke sind angebracht. Sieht aber interessant aus, die vielen Spinnennetze auf den Wiesen, die durch den Nebel sichtbar werden. Es geht von Anfang an stetig bergauf bis ich nach 2h die max. Höhe von 1100m erreiche. Es ist inzwischen wieder sehr warm geworden.
Bei Blagoewgrad zweigt der EV-13 Richtung Westen nach Mazedonien ab. Ich erspare mir den Umweg und fahre östlich weiter Richtung Pirin Nationalpark um dort, am Fuße des höchsten Gipfels dem Wichren, eine Bergwanderung zu machen.

Die Fahrt auf der Straße 19 ist sehr verkehrsreich und ich muss von 300 auf 1100m hochkurbeln.

Ich übernachte in Bansko einem Skiort. Der Ort ist auch im Sommer gut besucht. Es gibt etliche ausgeschilderte Wanderwege in die Berge. Ich bin am Morgen der Erste an der Gondel und auch der Erste oben auf der Bergstation auf 1600m.
Eine Abkürzung nach Blagoewgrad beschert mir einen landschaftlich schönen Feldweg, der aber sehr viel Kraft kostet.
Von hier aus starte ich meine Tour. Vorbei an zwei Berghütten (die man auch mit dem Auto erreicht) wähle ich eine der Wanderrouten und klettere hoch bis auf 2400m. Der Gipfel des Wichren liegt auf 2914m. Darauf bin ich heute nicht vorbereitet, obwohl es mich gereizt hätte. Bis zur Gondel muss ich jetzt wieder 800m absteigen. Die ungewohnte Belastung werde ich noch einige Tage heftig spüren.
noch oben
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Griechenland

Mehr als das Balkangebirge hätte ich die griechischen Berge fürchten sollen. Die Berge sind nicht mehr so hoch wie in Bulgarien, aber trotzdem anspruchsvoll.

Anspruchsvoll weil es immer wieder auf und ab geht, anspruchsvoll wegen der Straßen, die oft nur Schotterpisten sind und anspruchsvoll wegen des Wetters, das anfangs sehr nass und später sehr heiß war.
Nach zwei anstrengenden Etappen mit viel Regen erreiche ich Thessaloniki.
Auf meinen Weg bis nach Bulgarien konnte ich komfortabel einem vorbereiteten Track folgen, den ich auf meinem Garmin GPS hatte. Die Route durch Griechenland, nach Athen und Patras, war nicht geplant. Da ich nur mein iPad dabei habe, kann ich keine Daten auf das Garmin GPS laden. Dazu bräuchte ich einen PC und die entsprechende Software.

Ich navigiere deshalb ab jetzt mit meinem iPhone. Ich verwende Google Maps und die App Naviki, einen Fahrradroutenplaner. Beide Apps brauchen eine ständige Internetverbindung. Naviki lädt immer kleine Kartenbereiche aus dem Internet um die aktuelle Position anzuzeigen. Auf meiner Euro-SIM Karte habe ich 1250MB Datenvolumen. Damit komme ich nun nicht sehr weit.

Ich habe ein Zimmer in einem Hotel mitten in der Innenstadt.
Angekommen am Mittelmeer.
Ich finde in Thessaloniki auch einen Bike-Laden, der mir Bremsbeläge besorgt und auch gleich Kassette und Kette auswechselt.
Touristen-Segler, Strandpromenade und weißer Turm
in Thessaloniki
beschaulicher geht es da in den Bergdörfern zu
Griechenland ist von einigen Autobahnen und Schnellstraßen durchzogen. Von Thessaloniki nach Athen z.B. die Autobahn E75. Auf solchen Straßen zu fahren ist zwar möglich und meist auch der kürzeste Weg, jedoch unschön und oft gefährlich wegen des starken Verkehrs. Teilweise gibt es keinen Seitenstreifen. Ich habe immer versucht eine Route auf Nebenstraßen zu finden was aber in der Regel mehr Höhenmeter bedeutet. Auch landet man schnell mal auf Schotter- oder Erdwegen. Dafür kann man entspannt fahren oder schieben und sieht mehr von der Landschaft und den Ortschaften.
So ging es mir auf dem Weg von Serres nach Thessaloniki. Bei teilweise starkem Regen musse ich 15km auf einer aufgeweichten Piste bergauf schieben.
schwierige Pisten sind zu überwinden

Im Gegensatz zu den größeren Städten, haben die kleinen Bergdörfer durchaus ihren Scharm und in keiner der Ortschaften fehlen die typischen Cafés in denen man Kaffee (Espresso) oder Café frappé trinkt.

Trinkwasser findet man auch in Griechenland immer wieder an Brunnen oder Quellen.
Mendenitsa, ein kleines Dorf in den Bergen




Oft findet man Brunnen mit Trinkwasser
Nach ca. 800km und 8000hm durch Griechenland erreiche ich nach 10 Tagen die Hauptstadt Athen
das Häusermeer von Athen und ...
... natürlich die Akropolis
noch oben
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Italien

Mit der Planänderung anstelle von Istanbul nach Athen zu fahren hatte ich auch bereits den weiteren Verlauf im Sinn. Von Griechenland aus kann man bequem per Autofähre nach Italien fahren. Mit einem Schiff zu reisen ist für einen Reiseradler mit viel Gepäck natürlich viel einfacher und bequemer als mit dem Flugzeug.

Da ich schon lange mal nach Venedig wollte, habe ich dies als Zielhafen geplant. Von Athen aus musste ich dann nochmal 250km mit dem Rad bis nach Patras fahren. Von dort ist man nach einer 30-stündigen Überfahrt in Venedig.
Canale Grande und Santa Maria della Salute
in den Gassen von Venedig kann man sich leicht verlaufen
Nach ein paar grandiosen Tagen in Venedig ging es für mich wieder mit dem Rad weiter. Geplant hatte ich bis November unterwegs zu sein. Es war jetzt aber erst Ende September. So wollte ich die Gelegenheit nutzen und mit dem Rad über die Alpen bis zurück nach Heidelberg fahren.
Ich fahre zunächst entlang der Via Claudia Augusta, der einfachsten Alpenüberquerung. Fahre dann von Ehrwald nach Nord-Westen bis an den Neckar bei Villingen/Schwenningen, um ab hier dem Neckarradweg bis nach Heidelberg zu folgen.
die Via Claudia Augusta
Feltre in Südtirol
Die erste Station ist Feltre. Ein kleiner Ort in Südtirol. Hier übernachte ich mit B&B in einer kleinen Pension, die mit Abstand die beste Unterkunft auf meiner gesamten Reise war.
Es geht weiter durch Südtirol. Unterwegs treffe ich Giovanni. Er ist mit seinem Mountainbike auf einer seiner Trainingsrunden unterwegs. Als ich ihn nach dem Weg nach Trento frage, bietet er mir an mich bis zu einem beschilderten Radweg zu begleiten. Wir fahren 20km zusammen, bis wir den Radweg, die Via Claudia, erreichen. Er weist mich kurz ein und verabschiedet sich in die andere Richtung. Der Radweg führt jetzt an dem Fluss Brenta entlang bis zum Lago di Caldonazzo, wo ich auf einem Campingplatz übernachte.
das Brentatal bei Primolano
Vom Campingplatz Punta Indiani sind es ca. 20 km bis nach Trento. Es ist ein wenig bergig bevor die Straße steil nach Trento abfällt.

Oben treffe ich noch drei deutsche Radfahrer, die auf dem Weg nach Venedig sind. Sie schwärmen von Trento und den weiblichen Bewohnern. Ich habe etwas Mühe Trento zu passieren, da wegen eines Halbmarathons viele Straßen gesperrt sind.
Trento
der Ort Mals in malerischer Landschaft

Eisiger Gegenwind erschwert mir den Weg über den Pass, aber dann ist die erste Hürde genommen. Nun geht es Richtung Fernpass.
Von Trento geht es nun, bis hoch zum Reschenpass, immer an der Etsch entlang und durch die vielen Obstplantagen des Vinschgaus. Über Bozen und Meran erreiche ich nach weiteren 2 Tagen und 1400hm den Ort Mals, 20 km vor dem Pass.
noch oben
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weiter .... nach Österreich
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