AndenCross - Klaus-Hausmann

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Mit dem Mountainbike
über die Anden




von Argentinien nach Chile und zurück
28. Feb.  -  11. März 2008

FR 28.Febr.
Ankunft in Mendoza um  12:15h Ortszeit. Es ist schwül warm 28°C. Der Flughafen ist sehr klein, Duty-free, Zoll und Gepäckband alles ein Raum. Die Bikes stehen schon da. In dem Koffergewühl findet Gerd sein Gepäck. Mein Gepäck fehlt. Überall liegen herrenlose Koffer, Gepäck das später ankommt als sein Besitzer sagt man mir. Zu denen gehöre ich jetzt auch. Mein Seesack liegt wohl noch in Santiago de Chile. Die nächste Maschine kommt um 18:30h, da wird mein Gepäck vielleicht dabei sein sagen die am LAN Schalter.



Wir nehmen uns ein Remise(Taxi), jeder eins wegen der Bikes und fahren zum Hotel. Zuerst werden die Bikes ausgepackt und inspiziert. Bei Gerd ist ein Schnellspanner verbogen läßt sich aber noch verwenden. Bei mir ist alles ok. Wir bauen die Bikes zusammen und stellen sie im Hotel unter. Unsere Tickets für die Busfahrt sollen bei einem Reisebüro hinterlegt sein.
Als wir dort ankommen werden wir erst mal vertröstet. Flavio ist erst ab 18 Uhr wieder im Büro. Wir gehen etwas essen und bummeln durch die belebten Straßen. Als Flavio um 18 Uhr eintrifft erfahren wir, dass er keine Karten besorgt hat. Er schickt uns zu einem anderen Reisebüro.
In dieser Straße befindet sich ein Touristik Büro am anderen. Wir werden mehrmals weiter- geschickt erhalten aber letztendlich die Bustickets nach Malargue allerdings zum doppelten Preis als man uns vorher sagte. Inzwischen ist es 19 Uhr. Wir gehen zurück zum Hotel, in der Hoffnung das mein Gepäck da ist oder bald kommt. Nach einer Stunde erreiche ich jemanden am Flughafen. Mein Gepäck ist angekommen und wird schnellstmöglich ins Hotel gebracht. Also warte ich. Gegen 23 Uhr kommt das Gepäck, jetzt kann ich endlich schlafen.

SA  01.März
4:45 Uhr klingelt der Wecker. Gerd klopft an die Tür und der Weckdienst ruft an. Jetzt bin ich wirklich wach. Anziehen, Zähne putzen und kurz nach 5 Uhr gehe ich runter. Gerd kommt mir nervös entgegen. Unser Frühstück ist vorbereitet. Toast, Käse, Schinken und Marmelade. Der Kaffeetopf ist noch lau warm. Die Bedienung kommt und macht mir einen cafe con leche aus dem Automat. 5:15h, das Taxi kommt. War eigentlich für 5:30h bestellt. Ich mache mir ein Sandwich mit Käse und Schinken und trinke 2 Schluck von dem heißen Kaffee.Der Nachportier holt die Bikes aus der Abstell-kammer. Gerd isst sein Sandwich am Tisch und ich renne mit dem Sandwich in der Hand raus um das Verladen der Räder zu kontrollieren.
Wir hatten ein großes Taxi bestellt das unsere Bikes + Gepäck transportieren kann. Gekommen ist aber ein normaler PKW in den gerade mal unser Gepäck passt. Bis zum Bahnhof ist es nicht weit und ich beschließe dass wir mit den Bikes hinter dem Taxi her fahren das nur unser Gepäck transportiert. Während ich an meinem Frühstück kaue montiere ich schnell meine Pedale, die in dem zu spät gekommenen Gepäck waren. Gerd kommt jetzt auch, das Gepäck ist verstaut. Ich habe immer noch mein halbes Sandwich in der Hand. Das Taxi startet und wir hinterher. Nach ca. 10min kommen wir am Busbahnhof an. Der Bus ist noch nicht da und wir können erst einmal verschnaufen.

Kurz nach 6h kommt der Bus. Zwei Helfer verstauen das Gepäck auch unsere Fahrräder werden problemlos verstaut. Kostet aber 10 Peso extra. Der Bus ist ein Doppeldecker. Wir sitzen oben auf Sitz 27 und 28. Die Sitze sind sehr bequem mit viel Beinfreiheit und die Klimaanlage läuft. Relativ pünktlich fahren wir ab. Es ist noch stockdunkel draußen.

Es dauert eine Weile bis wir aus der Stadt sind auf der "Ruta40" Richtung Süden. Später bekommen wir Kaffee, schwarz mit viel Zucker und einen Keks serviert. Das finde ich ok, auch wenn der Kaffee nicht schmeckt trinke ich den Becher leer und lasse mir den Keks schmecken. Dann geht irgendwann die Innenbeleuchtung aus. Wir klappen den Sitz in Liegeposition und dösen bei leiser Musik. Die Zeit vergeht schnell. So gegen 8:30h geht die Sonne auf. Ein feuerroter Ball schiebt sich über den Horizont und erleuchtet die Berge im Westen. Die Klimaanlage bläst so kalt, dass ich mir meine Vliesjacke überziehe. Ab und zu hält der Bus und irgendjemand steig ein bzw. aus. Nächster Busbahnhof ist San Rafael.
Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter Richtung Malargue. Jetzt wird die Landschaft hügelig und wir sehen im Westen die teilweise schnee-bedeckten Andengipfel.

Ca. 50km vor Malargue ist die Straße gesperrt. Die Umleitung führt parallel zur Straße auf einer Schotterpiste. Der Bus schleicht für ca. 20km über die Waschbrettpiste. Am Ortseingang von Mallergue lässt uns der Busfahrer direkt vor unserem Hotel Microtel aussteigen, obwohl es keine offizielle Haltestelle ist.


Das Hotel ist ganz nett. Wir haben ein dreier Zimmer. Einige der anderen sind auch schon da. Da es früher Nachmittag ist, wollen wir erst einmal etwas essen und trinken gehen. Gerd und ich fahren mit den Bikes Richtung Stadtmitte. Nach einem km ist der Ort schon wieder zu Ende.
Jetzt , so gegen 14:00h sind alle Geschäfte geschlossen und auch die meisten Kneipen. Wir finden jedoch ein offenes Lokal. Ich bestelle einen Hamburger, die hier mit richtigen Steaks gemacht werden und Gerd eine Pizza. Die Pizza ist ca. 40x25 cm groß und über und über mit Zwiebeln belegt, die ihm noch einige Tage zu schaffen machten. Bier gibt es hier in 0,75 oder 1 l Flaschen und schmeckt bei der Hitze sehr erfrischend.
Zwei Tische weiter sitzen zwei ältere Männer, die mit einem Motorrad gekommen sind. Gerd, der fließend englisch spricht und jeden anquatscht, kommt mit den beiden ins Gespräch. Es sind Amerikaner, die mit dem Motorrad durch Chile, Patagonien und Argentinien reisen. Da Gerd auch schon per Harley in den USA unterwegs war, geht der Gesprächsstoff nicht aus. Irgendwann fahren wir zurück ins Hotel um vielleicht mit den anderen noch eine kurze Tour zu fahren. Im Hotel ist aber von den anderen niemand zu sehen. Ich bestelle einen Kaffee und sitze in der Lobby. Die beiden Motorradfahrer wohnen auch hier im Hotel und setzen sich zu uns. Und wieder erzählen sie, wo sie schon überall waren mit ihren Motorrädern. Ich setze mich kurz ab und schreibe meine Emails am Internet-PC.

Dann beschließen wir alleine noch ein bisschen rum zu fahren. Nach einigem Kreuz und Quer durch den Ort finden wir eine Straße Richtung Berge und fahren einfach drauf los.
Nach einer Weile sehen wir einen Hügel auf den ein schmaler Pfad führt. Bis hier sind wir auf einer breiten Schotterpiste gefahren. Abseits der Straße sehen wir viele Stachelpflanzen und es ist etwas riskant auf den schmalen Pfad abzubiegen. Wir mussten zunächst ein fast trockenes Flussbett durchqueren und natürlich bekomme ich prompt einen Platten.
Jetzt haben wir ein Problem. Ich habe gar kein Werkzeug dabei. Gerd hat zwar Flickzeug, aber keine Pumpe. Das heißt den ganzen Weg zurück schieben, mind. 10 km. Da kommt uns, wie gerufen, ein Biker entgegen, der zum Glück auch eine Pumpe dabei hat. Er spricht kein Wort Englisch. Wir verständigen uns mit Händen und Füßen. Es stellt sich heraus, dass er MTB-Guide ist und einen Bikeladen im Ort hat. Ruck-Zuck hat er meinen Reifen geflickt und führt uns dann auch noch auf einen Aussichtshügel, von dem man die ganze Ebene überschauen kann. Im Weiteren erfahren wir, dass er auch Mariano, unseren anderen Tour Guide kennt. Wir fahren zurück nach Malargue und laden ihn auf 1-2 Bier ein.
Mittlerweile ist es 21 Uhr, es wird langsam dunkel. Gerd macht sich fertig fürs Bett, ich setze mich mit einem Glas Rotwein noch einmal an den Internet-PC und gehe danach ins Bett.
Unser Zimmergenosse Paolo kommt erst später. Das war ein langer Tag, ich schlafe relativ gut, bis um 6:45 h der Wecker klingelt.

So. 02.03.08
Für 8.15h ist eine Torbesprechung angekündigt. Also Frühstück um 7h. Es gibt Kaffee, der nicht schmeckt, süße Croissant, Toast, Käse und Wurst.
Gerd und ich dachten, dass es um 8.15h ein kurzes Briefing gibt und wir dann bald losfahren.

Aber 1. waren nicht alle pünktlich und 2. zog sich die Einweisung in die Länge, weil Mariano alles ausführlich auf spanisch erklärte und für Gerd und mich dann nochmal alles in Englisch wiederholt hat. Danach mussten noch einige an ihren Bikes schrauben. Das Gepäck wurde verpackt und Gruppenfotos gemacht. So gegen 11:30h ging‘s dann endlich los.
Durch Malargue und weiter auf der Routa 40. Es dauerte nicht lange bis sich eine Führungsgruppe gebildet hat. Ich hatte den Eindruck, jeder gibt was er kann. Natürlich habe ich mich auch erst mal dran gehängt. Nach einer Weile wurde die Straße typisch amerikanisch. In Wellen immer auf und ab, jedoch stetig bergauf. Wir hatten 45 km auf Teerstraße immer leicht bergauf. Dabei trennte sich nach 20 km die Streu vom Weizen. Gerd übernahm die Führung, 2-3 andere versuchten dran zu bleiben. Nachdem ich 1 bis 2x angehalten hatte um ein Foto zu machen, habe ich den Anschluss verloren.
Der Altersbereich in der Gruppe geht von Anfang 20 bis 70. Der 70jährige, dessen Ureltern aus Deutschland stammen, spricht ein wenig deutsch. Für sein Alter ist er ziemlich fit.


Nachdem wir den höchsten Punkt überschritten hatten, gab’s erst mal Mittagessen. Danach ging die Fahrt 20 km bergab. Allerdings auf Wellenpisten, das war ziemlich anstrengend und eine Materialprobe fürs Bike. Jetzt wäre ein Fully von großem Vorteil (was die wenigsten in der Gruppe besitzen).
Unser 1. Camp wird in einem Wäldchen aufgeschlagen. Einige haben ein eigenes Zelt dabei. Gerd und ich bekommen ein 2-Mann-Zelt. Ein großes Zelt dient als Speisezelt und außerdem gibt’s ein Toilettenzelt. Eine Waschmöglichkeit gibt es nicht. Wir sind nicht weit vom Rio Grande, der sich im Moment spärlich durch ein breites Flussbett schlängelt. Wir gehen dort hin, um uns zu waschen. Ich steige in den kalten Fluss, der allerdings nicht gerade klares Wasser hat. Es ist schlammig, am Ufer sandig, zumindest kann man sich die staubigen Beine und Arme waschen.
Ich mache viele Fotos vom  Flusstal. Vor Sonnenuntergang sehen wir noch ein Gewitter in der Nähe und einen Regenbogen. Ein paar Tropfen regnet es später auch bei uns.
Abendessen gibt es immer spät, zwischen 21 + 22h. Heute gibt es gegrilltes Schweinefleisch, Salat, Mais, Kraut, Tomaten und Weißbrot. Die 3 Flaschen Rotwein, die auf dem Tisch stehen sind bald leer, danach gibt es nur noch Fanta, Cola und Wasser. Nach dem Essen machen einige noch einen Spaziergang mit Taschenlampe. Ich lege mich ins Zelt und schreibe diesen Bericht. Ab 24h ist Lagerruhe angesagt, vorher wird es auch nicht ruhig.



Mo. 03.03.08
Nachtruhe sollte bis 7:30h sein, aber um 6:30h beginnen die ersten schon zu quatschen. Also stehen wir langsam auf und packen die Sachen zusammen. Um 8:15h gibt’s Frühstück. Pulverkaffee, Toast und so eine Art Nussbutter. So gegen 8:30 h geht die Sonne auf. Es ist nicht besonders kalt. Die Zelte werden abgebaut und alles auf dem Begleitfahrzeug verstaut. Nach über 1 Std. im Schatten wird es jetzt doch kalt. Die Tourbesprechung machen wir in der Sonne und dann geht’s los – entlang des Rio Grande. Die Gruppe zieht sich wieder ziemlich weit auseinander.
Es ist eine gemütliche Fahrt auf geteerter Straße. Jeder bleibt öfters stehen um Fotos zu machen. Wir fahren heute nur 35 km, deshalb machen wir keine Mittagspause, sondern fahren durch bis zu unserem nächsten Camp, welches auf einem kleinen Bauernhof liegt. Hier gibt es Hühner, Gänse und Pferde.
Kurz nach der Ankunft gibt es etwas zu Essen. Honigmelone mit Schinken und eine Art Pizza. Die Hühner, Hennen und Küken laufen unter dem Tisch zwischen unseren Füßen umher und erhaschen alles, was zu Boden fällt.



Wir sind in einem Tal umringt von Bergen. Ich frage den Guide, ob man auf einen dieser Berge steigen kann. Kein Problem sagt er. Also gehe ich los.
Einige gehen mit in meine Richtung, bleiben aber unten am Bach um dort zu baden. Ich gehe den ersten Anstieg. Es ist total sandig, ich mache 2 Schritte vor und einen zurück. Einen Weg gibt es nicht, ich gehe querfeldein. Der Gipfel liegt ungefähr auf 2000m, bei 1400 bin ich los marschiert. Mal sehen, wie weit ich komme. Es geht relativ steil bergauf. Hier wachsen niedrige Sträucher und Grasbüschel, durch die man in sandigen Boden Halt bekommt. Weiter oben wird der Boden fester, teilweise felsig.
Hier entdecke ich viele Tierspuren und Kot von Ziegen, Schafen oder Gämsen. Ich erreiche ein Plateau und habe schon jetzt eine wahnsinns Aussicht.  Es ist heiß hier oben, bestimmt 35°C, Schatten gibt es keinen. Meine Wasserflasche ist nur noch halb voll. Ich creme mich erst noch einmal ein. Meine Arme sind total rot. Bis zum Gipfel sieht es noch verdammt weit aus, oben wird es felsig.
Ich gehe weiter steil bergauf. Es ist dann doch nicht so weit, wie es aussah. Jetzt muss ich über blockiges Gelände klettern, das nach oben immer schwieriger wird. Ca. 30m unterhalb des Gipfels kehre ich um. Das Klettern wird mir zu schwierig, ich bin alleine und kenne das Gelände nicht. Abwärts geht es ganz gut, durch den losen Sand. Unten angekommen bin ich total eingestaubt.
Ich gehe an den Bach, in dem die anderen baden waren, suche eine Stelle, die etwas tiefer ist und nehme ein erfrischendes Bad in dem eiskalten Wasser. Danach fühle ich mich wie neu geboren. Abendessen gibt es erst wieder nach 21h. Heute gibt’s Ziege. Danach gehe ich früh schlafen.

Di. 04.03.08
Habe heute mit Ohrstöpsel geschlafen, um Gerds Schnarchen und die Umgebungsgeräusche weniger zu hören. Es hat geholfen, ich habe besser geschlafen. Die anderen wohl auch, da heute vor 7:30h nichts zu hören ist. Morgenwäsche machen wir am Bach, der am Camp vorbei fließt. Als ich dort mit freiem Oberkörper auftauche, schauen mich die anderen verwundert an. Alle sind dick eingemummelt.
Ich schaue auf die Temperaturanzeige am Bikecomputer, gerade mal +4°C. Upps. Die kurzen Hosen lasse ich an, ziehe aber ein langes Trikot zum Frühstück an. Da es nach dem Frühstück wieder ewig dauert, ziehe ich mir auch noch die Beinling über. So gegen 10h geht’s dann langsam los.
Die Sonne scheint, es geht leicht bergauf, da wird einem schnell warm. Es dauert nicht lange, dann sind die Winterklamotten wieder im Rucksack. Nachdem wir aus dem Tal auf-gestiegen sind, erreichen wir ein Hochplateau mit grandioser Aussicht.
Heute fahren wir den ganzen Tag auf holpriger Schotterpiste, oft auf losem Sand. Bis zur Mittagspause läuft es ganz gut. Mittagessen wird auf einem Bauernhof zubereitet.


Die Hazienda liegt romantisch in einem Tal, umgeben von grünen Wiesen. Jede Menge Tiere streiten sich wieder um unsere Brotkrümel. Besonders interessant ist ein Truthahn, der seine Federpracht voll entfacht.
Viele Pferde, drei Hunde und eine kleine Katze gibt es hier auch noch. Nach dem Mittag setzt heftiger Wind ein, natürlich aus der Richtung, in die wir fahren. Zu dem heftigen Gegenwind kommt noch ein besonders anstrengender Weg.

Ich glaube, alle sind froh als wir nach 50km unser Lager 3 erreichen. Wir campieren wieder auf einer Hazienda. Auch hier fließt ein Bach, in den einige erst mal die Füße zum abkühlen hängen und später darin baden. Obwohl ein kühler Wind weht, brennt die Sonne wie immer ziemlich heiß. Das Wasser ist saukalt. Heute gibt es Spagetti und zum Nachtisch Obst. Um 23h liege ich im Zelt.

Mi. 05.03.08
Heute haben wir fast verschlafen. Als ich auf die Uhr schaue, ist es bereits nach 8. Es ist verdächtig ruhig draußen. Wir stehen langsam auf, Zähne putzen am Bach und dann wieder ein spärliches Frühstück.  Es hat 7°C – kommt mir aber kälter vor. Bis alle fertig sind ist es nach 10h.



Die Beinlinge ziehe ich schon mal aus, bevor ich losfahre. Wir fahren entlang eines Flusses. Der Wind wird langsam stärker und ein paar Mal geht es ziemlich steil bergauf. Die Schotterpiste und der Gegenwind machen die Fahrt zur Qual. 32km bis zur Mittagspause, danach noch einmal 17 bis zum heutigen Camp.
Ich bin fix und fertig, als ich dort ankomme. Aber nicht nur ich.
Heute war die anstrengendste Etappe. Wir campen bei den Thermas del Azufre. Hier gibt es warme Schwefelquellen. Verschiedene Bade-löcher zwischen 30 – 55°C. Das Wasser ist nicht gerade sauber. Es sieht aus wie in einem schmutzigen Bach. Den Boden kann man nicht sehen, ich steige vorsichtig hinein.  Eine ¼ Std. genieße ich das warme Bad. Abendessen gibt es heute erst um 22h, Reis mit Pilzsauce.

Do. 06.03.08
Es war ziemlich kalt gestern Abend, ich hatte meine Wollunterwäsche angezogen. Im Schlafsack war es angenehm. Ich hatte ihn heute Nacht bis oben zugezogen. Wir stehen wieder spät auf. Solange die Sonne noch hinter dem Bergen steht, ist es saukalt. Wir packen uns alle dick ein. Als die Sonne dann scheint, wird es angenehm warm,  die Jacken können wieder verstaut werden. Dann ziehen Wolken auf, es wird kälter, also Jacken wieder an.  So geht es heute den ganzen Tag. Das Wetter ändert sich jede Stunde.
Zunächst geht es ein Stück bergauf, dabei wird es uns warm. Der Straßenbelag ist wieder kräfteraubend, der Wind ist nicht so stark wie gestern. Nach ein paar km erreichen wir den argentinischen Grenzposten. Hier müssen wir ca. 1h warten. Der Himmel zieht sich zu, es fängt an zu regnen. Jeder sucht einen Unterschlupf, um dem Regenschauer zu entgehen. Mit der Zeit wird uns allen wieder kalt.
Nach ca. 6km kommen wir an die Grenze zu Chile. Hier stehen nur ein Schild und ein Jesuskreuz. Kurz danach beginnt der 1000hm Downhill. Ich bin wider unschlagbar auf der Schotterpiste. Höchstgeschw. 60km/h. Mariano gibt uns vorher eine Unterweisung zum Downhill. Vorsichtig fahren – richtig bremsen – usw. Er selbst fährt dann wie ein Irrer die Piste herunter. Ich natürlich hinterher.


Wir kommen an den chilenischen Grenzposten. Hier heißt es wieder warten. Es fängt an zu regnen und der Wind bläst kalt. Noch ein Stück geht’s bergab, dann gibt es Mittagessen. Buffet mit Reis, Gemüse und Fisch. Wir sitzen in einem offenen Zelt, d. h. nur Überdachung, keine Wände. Der Wind bläst noch immer und alle frieren. Dann zieht auch noch ein Gewitter auf. Aber nur für 10 Min. Wir fahren weiter, das letzte Stück bis zum Lager. Die Zelte werden direkt neben einem tosenden Fluss aufgebaut, wieder unsere einzige Waschmöglichkeit. Abendessen – Nudeln mit Tomatensauce.

Fr. 07.03.08
Heute Morgen ist es etwas wärmer als die Tage zuvor, 12°C. Frühstücken, fertig machen – wie gehabt. Bis zur Pause sind es ca. 30km. Insgesamt fahren wir heute 70km. Teils auf Schotter, teils auf Teer.
Im Gegensatz zu den letzen Tagen haben wir viel Autoverkehr. Alle sind motiviert, der Straßenzustand lässt höhere Geschwindigkeiten zu. Ab und zu haben wir sogar Rückenwind.
Gegen 14h kommen wir im Hotel an. Gleich gibt’s wieder etwas zu essen. Danach Bikepflege und duschen. Jetzt muss ich entscheiden, was ich in den Rucksack für die nächsten 4 Tage packe. Der Rest wird ins Hotel in Mendoza gebracht. Ich packe so wenig wie möglich. Geld, Ausweis, den Foto mit geladenen Akkus und etwas Warmes zum anziehen.


Am Abend um 21:30h gibt es ein festliches Abendessen. Anschließend werden Medaillen und T-Shirts verteilt.


Sa. 08.03.08
7:45h klingelt der Wecker. Vor dem Frühstück Gepäck und Bike zum Auto bringen. Frühstück, Auschecken und los geht‘s Richtung Santiago. Wir fahren auf der Panamerikana, eine 4-spurige Autobahn.
" Chile" hatte ich mir anders vorgestellt. Entlang der Autobahn gibt es viel Industrie und Wohngebiete, kaum unbewohnte Abschnitte. Sieht ziemlich trist aus, wären da nicht rechts die Anden und links immer wieder Berge bzw. Hügel zu sehen. Wir haben schönes Wetter. Umso näher wir an Santiago kommen, umso stärker wird der Verkehr. Santiago hat 5 Mill. Einwohner, eine Großstadt, wie andere auch. Ein Teil unserer Gruppe steigt hier in einem Hotel ab. Dann geht es weiter Richtung Mendoza. Hinter Los Andes beginnt es langsam in die Berge aufzusteigen. Auf der Route 60 Richtungen Argentinien ist sehr viel Schwerlastverkehr. Die LKWs schleichen den Berg hoch. Es ist schwierig  zu überholen.


Gegen 17h erreichen wir Portillo auf 2800m. Gerd und ich nehmen ein Cabin mit 2 Schlafzimmer, 2 Bädern und Küche für 93$ mit Blick auf den See und die Berge. Luxus pur. Zum Abendessen gibt es ein riesen Steak und danach geht’s früh ins Bett.

So. 09.03.08
Frühstück erst um 9:30h. Ich gehe vorher raus um zu fotografieren. Gegen 10:30h fahren wir los. Es geht auf der Strasse noch einmal 300hm bergauf bis wir zur chilenischen Border Control kommen.
Die können mit unseren Papieren nicht viel anfangen und lassen uns weiterfahren. Noch ein Stück bergauf und dann kommt der Tunnel. Kurz vorher steht ein Schild: Christo Redentor, da wollen wir hin.

Ein Schotterweg führt in Serpentinen 700hm den Berg hinauf. Sieht gigantisch aus von unten. Also los. Die Grenzkontrolle sagt uns, dass der Weg nicht fahrbar sei, wegen Schnee. Wir fahren trotzdem, es lag nur im oberen Bereich etwas Schnee auf dem Weg. Der Weg wird nach oben immer weicher und damit anstrengender zu fahren. Der Wind bläst ziemlich kalt. Es ist insgesamt recht anstrengend und ich lasse einen Freudenschrei los, als ich oben ankomme. Hier ist es fast wie auf der Zugspitze. Viele Touristen, die mit dem Bus oder Auto hier hoch kommen.
Ich trinke eine Cola und esse einen Riegel, mache einige Fotos und dann nix wie runter. Ist nämlich ziemlich frisch hier auf 3800m. Der Himmel hat kaum Wolken nur in der Sonne lässt es sich aushalten. Der 1000m Downhill ist wieder berauschend.
Unten treffen wir auf die Teerstraße, die aus dem Tunnel kommt. Sie führt bergab durch das Tal Richtung Puente del Incas. Mit starkem Rückenwind komme ich auf 75km/h. Nach ca. 20km erreichen wir den Zugang zum Aconcagua Park. Wir können mit den Bikes bis zum Hercones See fahren.


Schon von der Straße aus sehen wir den Aconcagua in voller Pracht. Wir haben das Glück, dass er nicht hinter Wolken liegt.

Wir fahren bergauf bis zum See. Die Ranger erlauben uns, mit den Bikes in den Park zu fahren, ohne Permit.
Wir machen einige fantastische Fotos und dann ziehen auch schon Wolken auf. Es zieht immer mehr zu. Wir hatten unglaubliches Glück, rechtzeitig dort gewesen zu sein. Wehmütig verlassen wir den Park.
Wenig später kommen wir zur Border Control. Erst Chile, dann Argentinien. Irgendein Problem gibt es mit unseren Papieren. Die Argentinier sind freundlich, helfen uns, obwohl hier niemand englisch spricht. Wir können zeitig weiter fahren. Wieder geht’s bergab mit Rückenwind bis Puente del  Incas. Hier checken wir in einem Hostel ein. 100 Pesos für Halbpansion = 25€. Es ist etwas schmudelig in dem 6-Bett-Zimmer, egal. Fotos von der Inca Brücke, dann ein Bier in der Sonne. Um 20h gibt es Abendessen.

Mo. 10.03.08
So gegen 10h starten wir. Es ist windig und kühl. Der Wind kommt heute von Osten, also Gegenwind. Dick angezogen, mit viel Gegenwind und immer wieder Steigungen kommen wir nicht sehr schnell vorwärts. Im Laufe des Tages wird das Wetter besser, auch der Wind wird schwächer. Die 70km ziehen sich aber ewig. Es ist viel Verkehr auf der Straße, man muss aufpassen nicht überfahren zu werden. Um 12h machen wir Pause in einer kleinen Snackbar. Sandwich und Kaffee - 14 Peso. So um 16h erreiche ich Uspallata. Gerd wartet schon und wir suchen erst mal eine Unterkunft. Doppelzimmer im Hotel Condor 110$ inkl. Frühstück.




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